21.09.2019

Konzert 1

Konzert 1

Freitag, 8. März, 20 Uhr

Schlossaula der Universität Osnabrück, Eröffnungskonzert  

Konzert des Schirmherrn

 

Franz Schubert (1797-1828)

Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen D 940 op. posth. 103

 

Allegro molto moderato – Largo – Scherzo. Allegro vivace  – Finale. Allegro molto moderato 

 

Nino Gvetadze, Klavier

Natacha Kudritskaya, Klavier    

 

Igor Strawinsky (1882-1971)

Divertimento für Violine und Klavier

aus der Suite des Ballets “Der Kuß der Fee”

 

- Sinfonia

- Danses suisses

- Scherzo

- Pas de deux: a, Adagio - b, Variations: Allegretto grazioso - c, Coda: Presto

 

Daniel Rowland, Violine   

Natacha Kudritskaya, Klavier    

 

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Robert Schumann (1810-1856)  

Kinderszenen op. 15

 

- Von fremden Ländern und Menschen

- Kuriose Geschichte

- Hasche-Mann

- Bittendes Kind

- Glückes genug

- Wichtige Begebenheit

- Träumerei

- Am Kamin

- Ritter vom Steckenpferd

- Fast zu ernst

- Fürchtenmachen

- Kind im Einschlummern

- Der Dichter spricht

 

Nino Gvetadze, Klavier             

              

 

Robert Schumann (1810-1856)

Klavierquintett Es-Dur, op. 44

 

- Allegro brillante

- In Modo d’una Marcia. Un poco largamente

- Scherzo. Molto vivace

- Allegro ma non troppo

 

Daniel Rowland, Violine   

Ana Kirchmayer-Wonnemann, Violine

Vladimir Mendelssohn, Viola    

Maja Bogdanović, Violoncello            

Natacha Kudritskaya, Klavier    

       


Konzert 1

„Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.“
der kleine Prinz

Schon die ersten Töne der Fantasie ziehen uns tief in Schuberts melancholische Gefühlswelt. Es ist das Jahr 1828, sein Todesjahr, und er mag schon eine düstere Ahnung gehabt haben. Zeit seines Lebens war er in seine Schülerin Comtesse Caroline von Esterházy verliebt, und wusste gleichzeitig dass eine Liebe zwischen einem Hilfslehrer und einer Angehörigen des Hochadels in der damaligen Gesellschaft schlicht nicht gelebt werden konnte. Allein in seinen Träumen lebte diese Liebe. All dieses hören wir in diesem einsätzigen Werk, spontane Ausflüge in die Jugend, wir hören Hoffnung, Liebe, Freude - und Resignation.

Es ist kalt, es dämmert schon, eisiger Wind peitscht uns Schnee ins Gesicht, wir können unsere eigene Hand kaum sehen… Dort drüben irrt eine Mutter durch die Kälte, presst ihr Kind eng an sich, versucht das rettende Dorf zu erreichen - doch vergeblich - vor Erschöpfung stirbt sie.
Wie aus dem Nichts erscheint die Eisfee, mit wildem Gefolge, hängt dem Kind einen Talisman um und küsst es auf die Stirn, und so nimmt das Märchen seinen Lauf… Der „Kuss der Eisfee“ ist der Name des Ballets, dass Stravinsky 1928 in Gedenken an Tschaikowsky schrieb und später mit dem Geiger Samuel Dushkin, seinem Duopartner, zu diesem Divertimento arrangierte. Er sagte später selber er könne sich "nur noch vage erinnern, welche Musik von Tschaikowsky stammt und welche von mir“. Und so sind es gleich ein halbes Dutzend Gestalten, die uns in diese Eislandschaft entführen, denn auch noch beteiligt ist Hans Christian Andersen, der mit seiner „die Eisjungfrau“ die Vorlage für das Ballett lieferte, und die „Eisjungfrau“ wiederum ist seine eigene „Schneekönigin“ in einer anderen Gestalt.

„In jedem Kind liegt eine wunderbare Tiefe.“ Robert Schumann lädt uns mit seinen Kinderszenen in die Gedankenwelt der Kinder ein, deren unverdorbene Natürlichkeit er neidet, sie als Idealzustand ansieht und sich mit seiner romantischen Seele zu gerne hinein träumt. Zu Clara schrieb er damals: „Du wirst Dich daran erfreuen, musst Dich aber freilich als Virtuosin vergessen – Da sind denn Überschriften wie Fürchtenmachen – Am Camin – Hasche Mann – Träumerei – Bittendes Kind – Ritter vom Steckenpferd – Von fremden Ländern – Curiose Geschichte pp. und was weiß ich! Kurz man sieht Alles und dabei sind sie leicht zum Blasen.“

Schumanns verträumte Seele begleitet uns noch weiter, und zwar in dem 1842 in einem schwärmerischen Schaffensrausch von 5 Tagen komponierten Klavierquintett, das einen Meilenstein der Kammermusik darstellt und zugleich als Gründung der Gattung Klavierquintett gilt.
1931 lesen wir: „ganz neue Personen treten von heute in’s Tagebuch - zwey meiner besten freunde, die ich jedoch noch nie sah - das sind Florestan und Eusebius“ - das war das erste Erscheinen von Schumanns - wie er sie nannte besten - Freunden. Sie stehen beide für die zwei Seelen, die er in sich fühlte, und benutze sie fortan beim Verfassen von Kritiken und anderen Texten, aber auch als Komponisten-Pseudonym und in seinen Briefen an Clara. Kurz vor ihrer Hochzeit schrieb er ihr:

Florestan den Wilden,
Eusebius den Milden,
Tränen und Flammen
Nimm sie zusammen
In mir beide
Den Schmerz und die Freude.

Begleiten wir nun Schumanns beste Freunde, suchen wir sie, lauschen wir ihnen, mit ihren triumphalen Ausbrüchen, Schwärmereien, melancholischen Träumereien, Jubelpassagen und Trauermärschen.